10000 gestes

Boris Charmatz, Musée de la danse

© Tristram Kenton
© Tristram Kenton
Wie in einem bewegten Wimmelbild führen 23 Tänzer*innen individuelle Variationen einer Partitur hunderter Gesten aus, ohne je eine einzige zu wiederholen. Ein Gewitter aus Bewegungen, in dem unser Blick zwischen Einzelereignissen und dem Ganzen hin und her springt. Sobald wir ein Detail entdecken, ist es schon wieder vergangen. Zu verwaschenen Klängen aus Mozarts Requiem in D-Moll formieren sich die stark individualisierten Figuren in den Kostümen des Modedesigners Jean-Paul Lespagnard mit ihren Sehnsüchten, Egos und Ängsten zu Schwärmen kollektiven Exzesses und kollektiver Melancholie. Das Bilden von Gemeinschaften, aber auch deren Konfliktpotenzial sind stets zentrale Themen der choreografischen Erkundungen von Boris Charmatz. Mit 10000 gestes hat er ein hypnotisches Werk erschaffen, das sowohl als animiertes Gemälde im Stil von Hieronymus Bosch, aber auch als künstlerischer Kommentar zu gesellschaftspolitischen Dynamiken gesehen werden kann.

››Kennen Sie die Zeichentrickfigur Wile E. Coyote auf der ewigen Jagd nach dem Road Runner von Chuck Jones und Tex Avery? Dieser Koyote, dieser Wolf, rennt und als sich an einem Felsen ein Abgrund auftut, rennt er einfach weiter. Solange er rennt, stürzt er nicht ab. Sobald er nach unten blickt, rauscht er auf der Stelle in die Tiefe. In diesem Stück rennen wir eine Stunde lang, damit wir nicht abstürzen. Es ist ein Spiel mit dem Flüchtigen, damit, dass all die Erfahrungen, Ereignisse, Schocks und Freuden unseres Lebens – vergänglich sind. So wie man im Moment des Todes vor seinem inneren Auge noch einmal sein ganzes Leben im Zeitraffer sieht.‹‹ (Boris Charmatz)

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzbestimmungen